Mit Yoga zu mehr Kraft und Flexibilität als Poledancer

„Of course you can!“, sagt Padma.

Padma, eine Mid-Fifties Frau mit Brille, leichtes Bäuchlein, sieht auf den ersten Blick nicht wie „eine richtig sportliche Yoga-Person“ aus…

Worauf habe ich mich hier überhaupt eingelassen? Ich konnte „sowas“ schon als Kind nicht – also werde ich es kaum jetzt beim ersten Versuch schaffen. – Das war mein innerer Monolog. Mein Endgegner: Der Kopfstand.

Diese Diskussion mit dir selbst (oder deinem Pole Trainer) hast du vermutlich auch schon an der ein oder anderen Stelle geführt. Ein – aus deiner Perspektive – unmöglicher Trick steht heute auf dem Trainingsprogramm. Innere Blockade: bereits aufgestellt. Dein Kopf: „Mach ich nicht.“

Genau das passierte mir im August 2017 in Indien. Wie bitte soll ich jetzt in den Kopfstand kommen? Das ist doch nur was für Fortgeschrittene…

Dennoch: Ich habe mich schon Monate zuvor für eine Yoga-Trainerausbildung entschieden. Also ziehe ich das jetzt durch. Die Diskussion im Kopf wird immer lauter.

Ich sitze ruhig auf der Matte. Plötzlich steht Padma vor mir. Ich erkläre ihr voller Überzeugung, warum ich den Kopfstand jetzt nicht schaffen werde – und natürlich jetzt auch nicht probieren werde. Später vielleicht. Sie lächelt auf eine unglaublich verzaubernde Art und versichert mir: „Of course you can!“.

Na gut, dann werde ich eben auf sie fallen und sie hat dann meine Füße im Gesicht… Also bereite ich mich für meinen allerersten Kopfstandversuch vor, mache alle notwendigen Schritte, die Padma uns zuvor gezeigt hat und bewege mich langsam in den Kopfstand, voller Panik.

Auf eine merkwürdige Art und Weise hat sie mich kurz zuvor überzeugt. Warum sollte ich es nicht schaffen auf dem Kopf zu stehen, andere Menschen können das auch!

Und plötzlich steht die Welt auf dem Kopf – oder wohl eher ich. Mit dem ein oder anderen unterstützenden Griff hat meine Yoga Lehrerin mich in die richtige Position gebracht. Für mich ein absolutes Wunder! Nicht einmal als Kind habe ich mich getraut ein Rad oder einen Handstand zu machen. Die Stimme und laute Diskussion im Kopf ist schlagartig verstummt.

Eine der wichtigsten Lektionen meines sportlichen Daseins: Du bist immer bereit, um Neues zu lernen!

Yoga ist dabei ein Weg, der dich deinem Pole-Flow auf körperlicher, aber auch mentaler Ebene näherbringen wird.

Yoga – funktioniert ganz praktisch. Vor allem für uns Pole Dancer und Aerialisten.

Warum du es unbedingt ausprobieren solltest, verrate ich dir hier. Denn vermutlich hast du viele Parallelen zum Pole Training so noch nicht entdeckt 😉

Yoga ist doch was für Esoteriker

Yoga ist so vielseitig anpassbar wie ein Chamäleon. Klar, es gibt auch die spirituelle Komponente bei der Yoga Praxis (z.B. Meditation, Mantra Singen, Lebensphilosophie…), doch wenn du gerade keine Lust darauf hast, kannst du diesen Aspekt erstmal außenvor lassen.

Viel spannender für dich als Pole Dancer ist der körperliche Aspekt. Yoga macht dich nicht einfach nur „fitter“. Yoga bietet dir ein ganzheitliches Körper-Training. Jeder Muskel, jede Sehne wird trainiert. Und das vollkommen ohne Pole – ja auch ohne sonstiges Equipment. Also, wenn du Zuhause keine Stange hast, dann findest du in diesem Artikel gute Impulse, um dich durch Yoga ganz easy polefit zu halten. Für alle mit Home-Pole: ein wertvoller Einblick, wie du dein Heimtraining weiter verbessern und ausbauen kannst.

Wünschst du dir mehr Flexibilität? Das ist – neben Kraftaufbau – der Wunsch von den meisten Pole Dancern. Vielleicht gehst du auch ab und zu zum Stretching in deinem Pole Studio (super, weiter so!). Mit Yoga kannst du dein Stretching wunderbar erweitern, aber vor allem dein Verständnis ausbauen, wie du effektiv und gesund auch alleine trainieren kannst. Denn denk dran: jedes zusätzliche Stretching wird sich positiv auf deinen Pole Erfolg auswirken.

Perspektivenwechsel: Körper neu entdecken

Yoga unterstützt dich dabei ein starkes Grundverständnis für deinen Körper zu entwickeln. Sobald du Yoga als Ergänzung zum Pole Training nutzt, wirst du verstehen welche Muskelgruppen und Körperpartien besonders viel beim Pole genutzt werden. Das hilft dir diese Bereiche aktiver zu fördern und so kannst du deine „Body-Awareness“ steigern.

Wenn du dich nur aufs reine Pole Training fokussierst – und nicht mal eine Stretching Einheit zusätzlich einbaust, wirst du früher oder später an den Punkt kommen, wo du kaum noch Fortschritte machst. Das kann dich möglicherweise etwas frustrieren (wie du aus einem Motivationsloch wieder rauskommst, erfährst du in diesem Artikel hier MOTIVATIONSBOOST LINK). Yoga in deinen Plan daher mit einzubauen, kann also sehr viel Sinn machen, um einseitigem Training vorzubeugen und dich eben auch auf einer anderen Ebene herauszufordern.

Yoga ist nicht gleich Yoga

Was oft missverstanden wird: es gibt nicht EIN Yoga. Genau so gibt es nicht EIN Pole Dance. Jemanden, der Exotic Pole macht, mit jemandem der einen starken Fokus auf Pole Tricks hat, würde beiden einfach nicht gerecht werden.

Du musst für Yoga nicht spirituell sein. So wie du für Pole Dance auch nicht am Striptease interessiert sein musst. Alles kann, Nichts muss. Das verstehst du als Pole Dancer sicherlich auch ohne weitere Erklärung.

Damit du besser informiert bist, welchen Stil du ausprobieren kannst, möchte ich dir einen kurzen Überblick geben. Denn die Vielseitigkeit von Yoga ist etwas, das wie ein Joker für dein Pole Level ist. Du kannst deine Stärken mit dem passenden Stil weiter ausbauen – oder dich eben an deine Schwachstellen ran machen und sie für dich nutzen. Bevor ich dir einen Kurz-Überblick über verschiedene Yoga-Stile gebe, ist eine kleine „Bestandsaufnahme“ wichtig:

Was brauchen Pole Dancer überhaupt?

Wenn ein Pole Dancer 3 Wünsche frei hätte, wären das vermutlich
1. Spagat können (Front- und Middlesplits am Boden und auch Inverted)
2. Schöne Backbends beherrschen (z.B. für den Cocoon oder Russian Layback)
3. Genug Kraft für Tricks und Flips (wie Fonji).

Ach ja, diese Wunschlisten. Bei allen 3 Bereichen steht auch ein Thema übergreifend: volle Körperspannung und -Kontrolle – vor allem auch in den Händen und in den Füßen! Egal, ob Tricks oder Choreos, Körperspannung brauchst du an der Pole jederzeit.

Als Pole Dancer nutzen wir auch etwas andere Körperpartien als jemand, der sich nicht regelmäßig an einer Stange hochziehen oder halten muss (bzw. möchte). Du benötigst starke Schultern, denn gerade der Bereich wird besonders stark genutzt. Für Inverts, Shouldermounts und viele Überkopf-Figuren ist auch vor allem dein Core wichtig. Ohne Core, läuft nichts bei uns. Sobald es an den Straddle geht, nutzt du ins besondere deinen Hip Flexor – je besser der gestretcht und gestärkt ist, umso leichter fällt dir der Straddle. Und nicht zuletzt: It’s all about your grip! Starke Hände bzw. Handgelänke sind absolutes Pflichtprogramm fürs Pole Training! Es geht also um etwas anderes als „Leg-Day“ oder auch Bizeps-Aufbau…

Sowohl den nötigen Kraftaufbau, als auch Flexibilität erhältst du durch eine ergänzende Yoga Session. Das Schönste daran ist: du lernst dabei Bewegungen mit deiner Atmung zu verbinden!

Game-Changer: Lerne endlich richtig zu Atmen – auch beim Pole Training

Wer richtig atmet, gewinnt das Pole Game. Warum? Bei neuen – in manchen Fällen anfangs schmerzhaften – Tricks erleichterst du dir das Halten des Tricks enorm! Vielleicht hat dir dein Pole Trainer mal den Hinweis gegeben: „Atme“. Durch guten Yoga-Unterricht lernst du WIE du das am besten machst – und davon profitierst du garantiert beim Pole. Gilt übrigens nicht nur für coole Pole Tricks, sondern auch für Choreos. Eine wertvollere Ergänzung gibt es nicht. Inhale, exhale, pole!

Gleichzeitig haben viele Pole Dancer eine Schwäche: Entspannung kommt (oft) zu kurz. Damit meine ich nicht die Zeit auf der Couch, sondern die Entspannungszeit auch während des Trainings (oder auch im Bezug auf deine Woche).

Im Yoga ist das Thema Entspannung ein fester Bestandteil des Trainings. Das wird dir dein Körper zukünftig danken.

Yoga und Poledance Klaudia Poledancr

Bild: Christina Bulka – Late Night Tales Photography

Relax, and pole it!

Beim Warmup Vollgas zu geben, ist absolut richtig. Doch – oft aus Zeitgründen – entfällt ein solides Cool-Down am Ende des Pole Trainings. Das ist allerdings wichtig für die Regeneration deiner Muskeln. Und auch für deinen Kopf ist ein sanfter Abschluss von Vorteil. Mit Yoga lernst du eine Trainingssequenz sinnvoll abzuschließen und deinem Körper Zeit zum Erholen zu geben.

Je länger du Yoga praktizierst, umso schneller kommt dein Körper (und Geist) in einen schönen Zustand der Entspannung. Es gibt einige Asanas, die du jederzeit auch in oder nach deinem Pole Training einbauen kannst. So kannst du auch Zuhause dein Training schön abschließen und deinem Körper klar machen: Jetzt kannst du dich entspannen! Damit sinkst du dein Stress-Level langfristig und wirst schnell merken, dass sich das positiv auch auf deinen Alltag auswirken wird.

Bist du bereit für eine tolle Yoga-Session? Dann möchte ich dir noch einen kurzen Überblick geben, welcher Yoga-Stil für welches „Challenge-Level“ geeignet ist.

Nutze die Vielseitigkeit von Yoga für deine Pole Power

Ein super Einstieg für Pole Dancer ist Hatha Yoga. Dabei liegt der Fokus auf einzelnen Asanas, die teilweise in Sequenzen miteinander kombiniert werden. Allerdings können sie auch einzeln ausgeführt werden – je nachdem, ob du den Fokus eher auf deine Ausdauer legen möchtest oder einen anderen Fokus vorziehst. Hatha Yoga ist perfekt, um dein Körperbewusstsein zu verbessern. Gleichzeitig wirst du hier viele Figuren vom Pole Training wiedererkennen. Wusstest du, dass Bird of Paradise eine Yoga Asana ist? So hast du die wunderbare Möglichkeit diese Figur ohne Pole auch sauber ausführen, um sie später als Krönung an der Stange zu präsentieren.

Wenn dir Präzision bei Figuren besonders gut liegt und wichtig ist – weil du z.B. dich bei IPSF qualifizieren möchtest, dann probiere mal Iyengar Yoga aus. Bei diesem Yoga Stil ist wirklich jeder Winkel bei den Asanas wichtig. Dein Verständnis vom eigenen Körper bekommt dadurch einen besonderen Boost! Du lernst zu spüren, wie du einzelne Muskelpartien einsetzen kannst, um eine bestimmte Figur zu halten. Übrigens auch sinnvoll, wenn du dein Stretching aufs nächste Level bringen willst.

Wer mehr an Ausdauer und gleichzeitigem Kraftaufbau interessiert ist, für den eignet sich Ashtanga Yoga hervorragend. Dabei gibt es eine feststehende Sequenz, die immer wiederholt wird. Gerade beim Ashtanga gilt: Wiederholung macht den Meister! Du wirst hier über eine gewisse Zeit merken, dass du manche Asanas leichter ausführen kannst, tiefer in die Vorwärtsbeuge kommst oder auch dein Bein höher heben kannst. Ganzkörper-Workout pur! Mehr für Fortgeschrittene geeignet.

Ein oft unterschätzter Yoga-Stil: Yin Yoga! Du hältst die einzelnen Asanas zwischen 3 bis 5 Minuten. Fast alle Asanas sind dabei im Sitzen und Liegen. Es ist also vor allem passives Stretchen, das hier passiert, aber es ist super wertvoll. Du lernst deine körperlichen Grenzen besser kennen, denn durch die lange Haltedauer spürst du die einzelnen Positionen intensiver als im regulären Stretching. Eine schöne Yin Yoga Session zum Wochenabschluss kann ich an der Stelle wärmstens empfehlen, du fällst danach glücklich ins Bett (und hast dir eine angenehme Flexy-Session gegönnt).

Acro Yoga ist in immer mehr Pole Studios zu finden. Das ist besonders cool, da es eine super Vertrauensübung mit deinem Trainingspartner ist. Gleichzeitig entstehen dabei viele schöne Figuren – davon sind einige definitiv auch instagrammable. Beim Acro Yoga liegt der Fokus dabei meistens eher auf dem akrobatischen Teil, allerdings kann ich dir empfehlen auch das mal auszuprobieren. Auch hiervon kannst du viele Figuren in dein regulären Pole Training einbauen.

Und für alle Susans unter uns: du trainierst beim Yoga immer beide Seiten. Immer. Du kannst dich gar nicht davor drücken. Wenn du also dazu neigst einseitig zu trainieren, kann Yoga dir dabei helfen, dich „automatisch“ mehr auf beide Seiten einzulassen. Die Effekte wirst du dabei schnell merken.

Denn es ist okay eine bessere Seite zu haben. Wichtig ist, dass deine weniger gute Seite trotzdem mitzieht.

Und wenn du mal daran zweifelst, ob du eine gewisse Figur überhaupt ausführen kannst. Denk daran: „Of course you can!“

Welchen Yoga-Stil würdest du gerne ausprobieren oder welchen praktizierst du bereits? Berichte uns gerne von deiner Yoga und Pole Erfahrung hier in den Kommentaren.

Klaudia Poledancr
Poledancr Logo

Über die Autorin:

Klaudia Wichmann ist Gründerin von POLE DANCR. Ihre Leidenschaft für den Pole Sport teilt sie seit November 2018 vor allem über den Pole Dance Podcast, wo die Pole Community durch spannende Interviews und Impulse wöchentlich eine Portion Motivation und Inspiration bekommt. Ihre Mission ist es, dass wir Pole Dancer uns stets weiter entwickeln können – sportlich, künstlerisch und menschlich. POLE DANCR steht für einen ganzheitlichen Pole Lifestyle. Finde deinen eigenen Stil, lebe deine Leidenschaft und begegne Anderen (Mensch, Tier, Umwelt) auf positive Art und Weise. Deswegen lautet ihr Claim auch STYLE, PASSION, KARMA. Du kannst dich am besten mit ihr direkt connecten über ihren Instagram Account @poledancr.

> Hier geht’s direkt zum Podcast <<

 

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