Vajuju – Proud Sex Movement

Vajuju – Wie bitte?

Vajuju – Proud Sex Movement. Die Worte klingen powervoll und auch ein bisschen nach Revolution. Meine Projektpartnerin Sanna und ich scherzen immer, dass genau das unser Ziel ist: „Wir wollen nicht weniger als die sexuelle Revolution für die Frau“. Go big or go home! Aber was steckt eigentlich genau hinter unserem Projekt?
 
Angefangen hat alles damit, dass Sanna, eine langjährige Schülerin von mir im Studio Souldance, und ich – wie das heute so läuft – über Instagram ins Gespräch gekommen sind. Wir hatten beide unseren ersten Einkauf bei ONNA Lifestyle getätigt, einer Marke, die sich auf Pleasure Toys aus Edelstein und anderen hochwertigen Materialien spezialisiert hat.
„Female pleasure potential is limitless. Onna was created with intention to inspire women to explore their eroticism and connect to their sensuality. We encourage women to gift themselves permission to indulge, pamper and enjoy their bodies.”  – ONNA Lifestyle

Photos: Christina Bulka – Late Night Tales Photography

Sanna und ich verzichteten also direkt auf Smalltalk und begannen uns über die wichtigen Themen auszutauschen: Sex, Masturbation, Beziehungen, Feminismus. Auf die Frage, ob ich einen guten Sex-Podcast kenne, musste ich mit „Jein“ antworten. Klar gibt es viele Podcasts zu dem Thema, aber keinen, der mich zu 100% abholt. Für wissenschaftlichen Input konsumiere ich lieber ganz altmodisch Bücher. Das andere Extrem, die Podcasts in denen sich Freundinnen ausschließlich über ihre wildesten Hook Ups austauschen – ab und an unterhaltsam, aber auch auf einem schmalen Grat zu übertrieben nervig.

„Lass uns doch einen Podcast machen“.  – „Okay cool“.

Tatsächlich war es genau so unkompliziert. Ich hatte schon lange mit dem Gedanken gespielt, etwas in dieser Richtung zu starten. Ich bin schon immer eine beliebte Ansprechpartnerin, wenn es um intime Themen geht. Bei meinen Freundinnen, Kolleginnen und sehr oft auch für völlig fremde Personen. Wenn man es als eine Begabung annimmt, dass Menschen sich dir gerne anvertrauen, warum diese Begabung nicht nutzen, um noch mehr Menschen zu erreichen, und zu einem offeneren Austausch über Sexualität beizutragen?
 
Wenige Tage später hatten Sanna und ich unser erstes Candle Light Dinner. Der Wein floss und unsere Wangen wurden immer röter beim Austausch über unser Beziehungs- und Sexleben. Schnell war klar: das mit uns funktioniert und was wir vorhaben wird gut!
 
Die besten Entscheidungen in meinem Leben waren immer diejenigen, die sich wie von selbst entwickelten und ohne großes Planen entstanden sind. Das mag zum einen daran liegen, dass ich eine miserable Planerin bin. Ich bin aber auch davon überzeugt, dass Dinge die sein sollen oft mit genau diesem Gefühl von Flow einhergehen. Darüber hinaus machte es unglaublich viel Spaß mit Sanna in die Planung von Vajuju zu gehen. Wir sammelten Themen, die wir in unserem Podcast besprechen möchten, recherchierten und tätigten alle nötigen Investitionen. Kurz darauf begannen wir mit dem Recorden.

Wann und wo kann man den Vajuju Podcast hören?

Natürlich bedarf es doch einiger Organisation von der Idee bis hin zum fertigen Podcast. Die ersten Folgen von Vajuju werden im März auf Spotify und Itunes zu hören sein. Eine Launch Party ist für diesen Sommer geplant. Während unseren wöchentlichen Treffen entwickelte sich aber darüber hinaus immer mehr der Wunsch, noch direkter mit Frauen zusammen zu arbeiten. Sanna ist bereits ausgebildeter co-active Coach, ich habe Soziale Arbeit studiert und arbeite seit der Eröffnung meines Studios Souldance 2013 ausschließlich mit Frauen zusammen. Es ist wunderschön zu sehen, wie diese bei uns im Studio an Selbstbewusstsein gewinnen und einen Bezug zu ihrem Körper herstellen. Pole Dance ist ein einzigartiges Medium für Frauen, um in Kontakt mit ihrer sinnlichen Seite zu treten, sich und ihrer Gesundheit etwas Gutes zu tun und ihren Körper zu entdecken und zu genießen. Durch meinen intensiven Austausch mit den verschiedensten Frauen in den letzten Jahren weiß ich aber auch, dass Tanzen alleine nicht ausreicht. Gerade für Frauen ist Sexualität leider oft immer noch ein schwieriges und mit Scham behaftetes Thema. Es fehlt an Aufklärung, ehrlicher und offener Kommunikation und Unterstützung. Um das zu ändern, haben wir unsere Vajuju Workshops konzipiert.

Das Vajuju Proud Sex Movement

Vajuju ist Mareens Wortschöpfung und ihr liebster Begriff für den weiblichen Intimbereich. Die Worte Proud Sex Movement verdeutlichen den Kern des Projekts und des Podcasts: Stolz an Stelle von Scham. Sex als englisches Wort sowohl für Sexualität als auch Geschlecht. Movement im Sinne einer gesellschaftlichen Bewegung und der Bewegung des Körpers der zusammen mit dem Geist eine untrennbare Einheit bildet.

Vajuju Workshops

Die Workshops finden in exklusiv weiblicher Gemeinschaft statt. Wir helfen den Teilnehmerinnen dabei, einen offeneren Umgang mit ihrer Weiblichkeit und Sexualität zu entwickeln. Wir begleiten sie auf ihrem Weg zu mehr Selbstbewusstsein, einem besseren Körpergefühl und Selbstliebe. Unser Ziel ist es, Frauen zu befähigen ihre Sexualität ohne Schamgefühl zu entdecken, auszuleben und zu genießen – frei und selbstbestimmt.
 
Themen, die in den Workshops behandelt werden sind unter anderem:
 
  • Aufklärung: Weibliche Anatomie & geeignete Sprache
  • Schönheitsideale & Bodypositivity
  • Zyklus, Verhütung & Gesundheit
  • G-Punkt, weibliche Ejakulation, vaginale Orgasmen
  • Masturbation & Selbstliebe
  • Kommunikation in der Partnerschaft: Wünsche kennen und äußern lernen
  • Touch & Look: Selbsterkundung
 
Um der Einheit von Körper und Geist gerecht zu werden, vertiefen wir die Theorie durch Körperarbeit und Praxisteile wie z.B Imaginationsreisen, Partnerübungen und Spiele. Vorerst finden die Workshops im Home Studio Souldance statt. Ziel ist aber, sie bei genug Nachfrage auch in andere Studios oder Locations zu bringen.

Bei Interesse bezüglich Workshops oder anderen Fragen kontaktiert Mareen und Sanna gerne über Instagram: @vajuju.proud.sex.movement oder per Email an vajuju.podcast@gmail.com

Das klingt alles sehr feministisch. Ist das heutzutage überhaupt noch nötig?

Feminismus ist ein Wort, das nach wie vor unglaublich viele Menschen zu triggern scheint. Ich persönlich bewege mich in einem überdurchschnittlich aufgeklärten und sexuell offenen Umfeld. Die Pole Szene ist eine Frauendomäne, in keiner anderen Branche gibt es so viele weibliche Geschäftsführerinnen, und das Verhältnis zu unseren Körpern ist mit Sicherheit positiver und offener, als in der Frauenwelt außerhalb unserer „Bubble“. Trotzdem habe ich innerhalb dieser Community mit Frauen gesprochen, die noch nie gehört haben, dass weibliche Ejakulation eine wissenschaftlich nachgewiesene Tatsache, und jede Frau dazu in der Lage ist. Oder dass wir anhand unseres Zervixschleims nachvollziehen können, in welcher Phase unseres Zyklus wir uns befinden. Dass die Klitoris weit mehr ist, als die äußerlich sichtbare Spitze und die richtige Stimulation der G-Fläche eine genussvolle Erweiterung beim Masturbieren, und auch bei gemeinsam gelebter Sexualität sein kann. Die Sexualität der Frau ist ein nach wie vor tabuisiertes Thema, jahrhundertelange Versuche sie zu kontrollieren haben Spuren hinterlassen, die wir auch heute noch deutlich sehen und spüren können.
 
Unsere Definition von Sex umfasst nur einen extrem geringen Teil menschlicher Sexualität: die Penetration der Vagina durch den Penis. Drei von vier Frauen erleben bei heterosexuellem Sex keinen Orgasmus. Auf drei männlichen Orgasmen während heterosexuellem Sex, kommt statistisch gesehen ein weiblicher. Diese Lücke wird als „Orgasm Gap“ bezeichnet und verschwindet interessanterweise bei homosexuellem Sex unter Frauen komplett.

Photos: Christina Bulka – Late Night Tales Photography

Im Aufklärungsunterricht an Schulen wird über ungewollte Schwangerschaft und sexuell übertragbare Krankheiten gesprochen. Die weibliche Anatomie wird selten komplett besprochen und es ist immer noch extrem schwer, im Internet eine komplette Darstellung der weiblichen Geschlechtsorgane, inklusive weiblicher Prostata und der Klitoris in ihrer vollen Größe zu finden. Die Bezeichnungen, die (zum Teil auch in Fachliteratur) verwendet werden, sind oft falsch oder ungenügend. Die Vulva wird häufig als Vagina bezeichnet und umgekehrt. Stellen wir uns nur einmal vor, wir würden Hoden zur Eichel des Mannes sagen, als wäre das „doch alles dort unten irgendwie ein und dasselbe“. Während aufwachsende Jungs ermutigt werden mit ihrem Penis zu spielen, wird der Intimbereich für Mädchen oft verbal ausgeklammert. „Da unten“ soll höchstens gründlich gewaschen werden, auf keinen Fall sollen wir uns breitbeinig hinsetzen oder der kindlichen Neugierde nachgeben und uns erkunden. „Was wir nicht aussprechen, wird ein Geheimnis, und Geheimnisse erzeugen oft Scham, Furcht und Legenden.“ So Mithu Sanyal in ihrem Buch „Vulva – das unbekannte Geschlecht“ und es überrascht demnach auch nicht, dass beispielsweise in den USA weniger als 50% der 14-17 jährigen Mädchen jemals masturbiert haben.
 
Zur Tabuisierung der weiblichen Sexualität gesellt sich gleichzeitig ein enormer Druck, dem zu entsprechen, was unsere Gesellschaft als attraktiv und sexy vorgibt. Labioplastik, die chirurgische Verkleinerung der Venuslippen, ist ein wachsender Bereich in der Schönheitsindustrie, und wird von Frauen trotz der Gefahr einer geringeren Empfindsamkeit oft in Kauf genommen. Auf Straßenbahnen wird mit Brustvergrößerung geworben und jedes Produkt wird zusammenhanglos mit einer halbnackten Schönheit beworben. Frauen sollen sexy sein, niemals jedoch sexuell und schon gar nicht soll mit jungen Mädchen darüber gesprochen werden, dass ihr ganzer Körper und ihr Intimbereich die Quelle für lustvolles Empfinden ist, worauf sie nicht nur ein Recht haben, sondern was auch ein wichtiger Bestandteil körperlicher und geistiger Gesundheit ist.
 
Dieser kleine Auszug an Fakten – und ich musste mich wirklich bemühen mich kurz zu halten – sollten uns annehmen lassen, niemand würde bestreiten, dass wir noch lange nicht am Punkt der Gleichheit für Mann und Frau angekommen sind, ganz besonders im Bereich der Sexualität. Umso schockierter bin ich, wenn ich auf Aussagen treffe wie „das Patriarchat existiert nicht“ oder „ich verstehe nicht wofür der moderne Feminismus kämpft“. Besonders ernüchternd ist es immer, wenn diese Aussage von Männern stammt, die ich zuvor extrem attraktiv fand, aber auch wenn Frauen ähnliche Einstellungen vertreten, stimmt mich das extrem nachdenklich bis hin zu traurig.
 

Take your pleasure seriously

Ich freue mich natürlich, wenn Du bereits ein erfülltes Sexleben, ob mit oder ohne Partner*in führst. Ich hoffe, du bist aufgewachsen mit einer Fülle an Ansprechpartner*innen, die du fragen konntest, bezüglich deinem Körper, Partnerschaft und Sexualität. Wenn du deinen Körper nicht nur annehmen, sondern lieben und genießen kannst. Doch wie bereits oben von ONNA zitiert „female pleasure potential is limitless“. Es gibt immer etwas Neues zu lernen und zu entdecken. Wenn ich durch Souldance, unseren Podcast oder den Vajuju Workshops ein klein wenig dazu beitragen kann, dass ihr mehr Female Pleasure in eurem Leben begrüßt, habe ich alles erreicht was mir wichtig ist.

Über die Autorin

Mareen Leykauf ist selbständige Tänzerin und Inhaberin des Studios Souldance in Nürnberg. Von Anfang an faszinierte sie die sinnliche Seite im Pole Dance und die Möglichkeit, sich in Shows kreativ auszudrücken. Neben dem Tanzen ist es ihr Herzensprojekt, Frauen zu mehr Selbstbewusstsein, einem besseren Körpergefühl und Selbstliebe zu verhelfen. Als Medium nutzt sie hierfür hauptsächlich ihren Instagram Account @mareenleykauf  Mit ihrer offenen Art hilft sie Frauen, ihre Sexualität ohne Schamgefühl zu entdecken, auszuleben und zu zelebrieren.

Quellen:
Arte Doku: Viva la Vulva
Sandra Konrad: Das beherrschte Geschlecht
Mithu Sanyal: Vulva – das unbekannte Geschlecht
TED Talk: Peggy Orenstein “What young women believe about their own sexual pleasure”
TED Talk: Grace Wetzel „The Reality of the Sexual Pleasure Disparity
Liv Strömquist: Der Ursprung der Welt

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